Listen up Tagebuch,
ich sitze gerade im Keller eines Ortes namens Taptab – ich näherte mich von weitem und las zuerst Fapfap. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Dieser Keller befindet sich in Schaffhausen und Schaffhausen haben sie damals, als sie die Städte über den Globus gestreut haben, in die Schweiz gepackt.
Bislang war ich nur ein einziges Mal als kleinerer Zymny in Bern (glaube ich – man sieht, es war lange her.), den Eingeborenen erzähle ich allerdings, dass ich zum ersten Mal in Schweizland bin. Das scheint sie milde zu stimmen und ich muss sie milde stimmen, da ich nur die Hälfte von dem verstehe, was sie sagen.
Beispiel 1: Am Bahnhof
Ein Typ kommt auf mich zu. „Wi s’Bisiwättr trschkle witschle ühühühühü schk fühhünfuzwanschk HAHAHAHAH! Chrschk guat ütri wüdli düdli schk?!“
Ich: „Wie bitte?“
Er: „Hahaha komscht aus Dütschland? Würschtli düdli baaaadli trischk a drudl, nicht wahr?“
Ich: „Was?“
Er: „Wosch eis as Gätzi föiffi schünz ürschtli bürschtli?“ Der Punkt war erreicht, an dem man im normalen gesellschaftlichen Umgang einfach nur lacht und nickt, weil man nicht zugeben will, dass man zum dritten Mal nichts verstanden hat. Doch das konnte ich nicht. Meine Sprachkompetenz hatte gerade gereicht festzustellen, dass er mir eine Frage gestellt hatte. Ich wählte also die einzige Möglichkeit, die mir blieb…
Ich: „Sorry, I come from Jamaica, maaaaan. I dunno you crazy talk, maaaaan … ähhhh … respect da jah!“ – ich tat einfach so als käme ich aus Jamaica. Die Worte und den Dialekt hatte ich von einem DJ auf einer Reggae Party gelernt, der genauso weiß war wie ich. Mein Gegenüber war jedenfalls verwirrt. Ich gebe das wieder, was ich meine verstanden zu haben.
Er: „He, eben hast du doch noch Deutsch gesprochen!“
Ich: „No, man! I dunno any german … one love!“
Er: „Aber du verstehst mich doch!“
Ich: „No, man! I don’t understand not a thing … get up, stand up for jah … äh, respect.“
Er: „Willst du mich verarschen?!“
Das war dann der Punkt, wo es mir zu heiß wurde und ich einfach davon gelaufen, in ein Taxi gestiegen und weggefahren bin. Ich weiß bis jetzt nicht, was der von mir wollte. Aber ich glaube … ich glaube … die Schweizer stellen an jeden Bahnhof einen Typ, der Ausländer an quatscht. Nach dem Motto: „Hey, der da. Der sieht so aus, als wäre er nicht von hier. Schnell hinter her! … Hürschtli huuz bua trischkiwüdli!!!“ … nur um Leute wie mich zu verwirren. Confuse a cat für Durchreisende. Tz, tz, tz. Das war mein eines Beispiel.
Allerdings: Es ist wirklich schön hier und das Geld gefällt mir … zumindest die Münzen. Die sind so schön konsequent durch designt. Und es gibt ein halbes Frankenstück! Wie großartig! Kein 50 Cent Bullshit, oder Rappen müsste es ja hier heißen. Manchmal findet man auch Münzen, bei denen eine der beiden Seiten verkehrtrum geprägt wurde, so dass wenn man die Münze umdreht Helvetia auf dem Kopf steht. Das ist ganz schön albern von den Schweizern. Genauso albern wie ihr Papiergeld. ES IST SO BUNT! Ich krieg’ Augenkrebs so bunt ist das! Monopoly ist kein Ausdruck und dann von oben bis unten voll mit Kirkelkrakel und noch Gesichter von Prominenten und Maschinen und Noten und wehe alle Buchstaben und Zahlen sind in der selben Ausrichtung. Nein! Manche müssen um 90 Grad gedreht sein. Schweizland du gefällst mir!
Ich bin gespannt, was hier noch passiert. Und vor allem wie die Poetry Slams werden, die ich besuche. Ohhhhargh! Während ich das hier gerade schreibe, macht einer Soundcheck und sagt jetzt schon seit 10 Minuten (Realzeit!) “HE! HE! SA! SA!” immer und immer wieder und es ändert sich nichts!
Ich glaube, “SA!” ist Schwitzerdütsch und heißt: “Ich wünschte, ich könnte noch andere Worte außer He! und Sa!” … HILFE! … Nein, mir gefällts hier … wenn der endlich fertig gesoundcheckt hat.
Update: 20 Minuten! 20 Minuten hat der jetzt HE! und SA! gecheckt und nichts hat sich geändert es klingt genauso wie vorher!!!!